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Geschichtlicher Abriss des Bergbaues in Kaufungen

Alaunwerk am Dautenbach (1555 – 1714)

Auf Betreiben des Landgrafen Philipp des Großmütigen wurde 1555 in Oberkaufungen der Bergbau zur Gewinnung von Alaun aufgenommen. Alaun ist ein schwefelhaltiges Mineral, das wichtig für die Gerberei, Färberei, Papierherstellung und Medizin war.

 Am 27. Januar 1555 wurde einer Gewerkschaft von 12 Personen (Kurt Diede, Anton von Wersabe, Christoph Hülsing, Ebert von Bruch, Johann Homberg u.a.) ein Freibrief zur Errichtung von Hütten und Baustätten zum Alaunsieden ausgestellt.

Das Alaunwerk hat wahrscheinlich südlich der Stiftskirche am Dautenbach (auch Allunzebach) gelegen und war das erste in Kaufungen.

Wegen Uneinigkeiten entschloss sich die Gewerkschaft 1558 den Betrieb zu verpachten. 1559 übernahm somit Heinrich Appel das Werk als Pächter. Es folgten 1572 Hans Staude und kurz darauf Stephan Lange (um 1589), der 1620 verstarb. Von 1620 bis 1623 wurde das Werk an Valentin Lange verpachtet, danach übernahm Jost Selchen, 2. Gatte von Stephan Langes Witwe, das Werk. Zwei Jahre später sollte das Werk an die Kinder des Stephan Lange gehen.

 

Über die folgenden 75 Jahre fehlen Informationen.

Um 1700 gehörte einem Herrn namens Nolte die Alaunhütte, nach ihm sein Sohn Peter Nolte. Zurzeit Peter Noltes waren 8 Personen beschäftigt (4 im Stollen, 2 zur Bereitung der Lauge und Auffüllung der Halden, 2 in den Siedehütten).

 

1714 wurde das Werk eingestellt. Ob es am Holzmangel (zur Verfeuerung genutzt) lag, ob das Dautenbacher Werk erschöpft war oder ob es an der zwischenzeitlich entstandenen Konkurrenz des Alaunwerkes Freudenthal lag ist nicht ganz eindeutig.

 

Das Alaun- und Kohlenbergwerk Freudenthal („Alte Hütte“ – um 1700 bis 1828/1926) und das Alaun- und Kohlenbergwerk Mittelthal („Neue Hütte“ – 1751 bis 1924)

 

Das Alaunbergwerk Freudenthal muss um 1700 entstanden sein. Möglicherweise auf Betreiben des Alaunmeisters Peter Nolte. Sein Sohn Stefan Nolte und dessen Schwager Johann Heinrich Wentzel werden 1721 als Besitzer des Werkes genannt.

 

Sie beschäftigten 16 Arbeiter. In diesem Werk wurden Alaun und Kohle abgebaut.

1776 waren zwischen 10 und 15 Arbeiter/Tagelöhner beschäftigt.

 

Im Jahr 1777 gehörte das Werk (auch Zeche Freudenthal genannt) Friedrich Ehrenhausen und nach ihm die Erben des o.g. Heinrich Wentzel.

 

1794 ging das Werk in den Besitz von Friedrich Schulze (Alaunsieder) über, der es für die Herstellung von chemischen Salzen nutzte, da er die Alaunsiederei für unwirtschaftlich hielt.

 

Ein erneuter Besitzerwechsel erfolgte bereits 1802 durch Carl August Freiherr Waitz von Eschen, der es wieder zur Alaunsiederei nutzte.

 

Die Absatzmöglichkeit für Kohle stieg und da es in der Zeche Freudenthal ein hohes Vorkommen an hochwertiger Kohle gab, wurde die Alaungewinnung 1835 komplett eingestellt und nur noch Kohle gefördert.

 

Nördlich des Freudenthaler Abbaugebietes wurde 1751 eine weitere Zeche eingerichtet. Das Alaun- und Kohlenbergwerk Mittelthal, unter einer Gewerkschaft, deren Vorsitzender der Bürgermeister Möller aus Kassel war.

 

Dieses Werk diente sowohl zur Gewinnung von Alaun, als auch zur Kohlenförderung (Kohlevorkommen überwog).

 

Während des Siebenjährigen Krieges wurde im Jahr 1758 die Alaunhütte von französischen Truppen verwüstet, die Arbeiten gingen jedoch stetig weiter.

 

Um 1768 gehörte ¼ der Hütte dem Regierungsrat Möller und ½ seiner Schwester (Witwe des Geheimen Regierungsrates Riess).

 

Trotz vieler Bemühungen schaffte die Gewerkschaft es nicht einen Ertrag aus dem Werk einzubringen und entschied sich 1781 für den Verkauf an die Landesherrschaft, die den Betrieb auf eigene Rechnung weiterführte. Die Alaunsiederei wurde eingestellt und sich auf die Kohlengewinnung konzentriert.

 

Nach einiger Zeit konnte die Kohle nur noch schlecht abgesetzt werden und als im Jahr 1789 durch heftige Gewitterregen die Grubenbau verschlämmten wurde von der Oberrentkammer die Erlaubnis gegeben, das Werk eingehen zu lassen.

 

Am 10. Dezember 1809 fand sich erneut eine Gewerkschaft (unter dem Obersteiger Philipp Schulze), die die Alaunsiederei und die Kohlenförderung unter Lehen wieder aufnahm. Erst 1813 schafften sie es wieder eine Alaunhütte anzulegen, konnten aber ebenfalls keinen Gewinn aus dem Werk erzielen.

 

Genauso wenig wie Carl A. Freiherr Waitz von Eschen, der ca. 1820 das Werk übernahm.

 

Ca. 1820 teufte man einen 27 m tiefen Schacht ab um die tiefer liegende Kohle besser gewinnen zu können. Das Schachtgebäude – der Roßgang (siehe auch Anhang) – besteht noch heute. Hier wurde die Kohlenförderung mit Pferden betrieben.

 

Am 14. Mai 1828 wurde die Alaunsiederei wiedereingestellt und im Jahr 1830 ging der Betrieb an die Freudenthaler Gewerkschaft über. Es wurde eine Gewerkschaft zu Freudenthal und Mittelthal gegründet. Diese Gewerkschaft setzte sich aus Familienangehörigen des Freiherr von Waitz zusammen. Repräsentant der Gewerkschaft, technischer Leiter und Betriebsführer war der Bergverwalter Wilhelm Wagner.

 

1870 wurde auf dem Zechenplatz, nördlich des Bahnhofes Oberkaufungen, der erste Förderschacht (Philippschacht) errichtet.

 

Neun Jahre später entstand ein zweiter Förderschacht (Maschinenschacht), der einen Gleisanschluss an die im selben Jahr eröffnete Gleisanlage der Cassel-Waldkappeler-Eisenbahn (CWE) erhielt. Der Schacht war bis 1907 in Betrieb.

 

1886 wurde der Roßgang stillgelegt und der Abbau and dieser Stelle beendet.

 

 1902 wurde ein weiterer Förderschacht (später Mittelthaler Hauptförderschacht) angelegt. Die hier geförderte Kohle wurde in eine Drahtseilbahn (von 1909 bis 1924 in Betrieb) geladen, die zur Hauptanlage am Bahnhof Oberkaufungen führte. Für den erforderlichen Strom der Fördermaschine wurde am Bahnhof ein Kraftwerk errichtet.

 

1912 wurde eine große Maschine zur Stromerzeugung in Betrieb genommen und neben Büroräumen für die technischen Arbeiter auch Waschkauen für die Belegschaft errichtet.

 

1913 war die Belegschaftsstärke in den Sommermonaten ca. 120 und in den Wintermonaten ca. 150 Mann. Die Arbeiter kamen aus Oberkaufungen, Niederkaufungen, Nieste, Escherode und Nienhagen.

 

Der Erste Weltkrieg brachte einige Veränderungen mit sich.

 

Neuer Bergverwalter und Betriebsführer wurde 1918 Kessler (Vorgänger Wilhelm Fahnert, 1907 bis 1914, dann Obersteiger Klapperstück 1914 bis 1918). Kessler ist am 11. Juli 1922 bei einem Betriebsunfall verstorben. Obersteiger Robert Schmidt wurde sein Nachfolger, ihm übergeordnet wurde der Bergverwalter Wilhelm Schmelzer.

 

Roderich Waitz von Eschen, Repräsentant des Bergwerkes von 1907 bis 1916, war verstorben. An seine Stelle trat der Justizrat Dr. Otto Stahl (von 1916 bis 1945).

 

Im Betrieb wurde einiges erneuert oder neu gebaut, wie z.B. eine Schmiede und eine Schreinerei. 1923 wurde eine Kettenbahn errichtet, sie verband den Friedrichstollen mit der Verladeanlage.

1924 wurde die Anlage Mittelthal stillgelegt.

 

Am 31. August 1926 kam es dann auch zur Stilllegung des Betriebes der Zeche Freudenthal. Gründe waren wirtschaftliche Schwierigkeiten, mangelnde Betriebsleitung und Fehlentscheidungen.

 

Martin Berge wurde mit den gesamten Abwicklungsgeschäften nach der Stilllegung betraut. Diese Arbeiten dauerten noch einige Jahre.

Alle maschinellen Anlagen über Tage nebst Fördergerüst, Verladebrücke, Seilbahn, Sortieranlage, Schmiede, Schreinerei, Gleis- und Rangieranlagen u.a. wurden auf Abbruch verkauft. Die meisten Gebäude wurden abgerissen. Das Gebäude mit der im Jahr 1912 errichteten Maschinenanlage wurde 1946 abgerissen. Das Bürogebäude wurde zu Wohnungen umgebaut, aber wegen Baufälligkeit 1949 ebenfalls abgerissen.

 

Der Roßgang verblieb der Fa. Waitzische Erben. Einige Oberkaufunger Landwirte kauften größere zusammenhängende Teile der Ländereien.

 

Nicht verkauft wurden der Zechenplatz mit seinen stehengebliebenen Gebäuden und der daran angrenzende große Garten. Das Gelände wurde als Zeche Mittelthal ausgewiesen und für eine eventuelle Neuaufnahme des Betriebes freigehalten.

 

Ein Teil des Zechenplatzes wurde von 1912 bis 1947 als Holzlagerplatz an die „Harpener Bergbau AG“ verpachtet.

 

Im Jahr 1936 wurde die „Freudenthaler Gewerkschaft“ in eine Gewerkschaft neueren Rechts umgewandelt. Eine Namensänderung in „Gewerkschaft Freudenthal“ erfolgte.

 

Die Kohlennachfrage war groß. Anregungen staatlicher Quellen zur Wiederaufnahme der Braunkohlenförderung führten 1947 zu einem Neuaufschluss der Zeche Freudenthal, trotz Kapital-, Material- und Personalmangels.

 

Die damaligen Gewerke waren Dr. Friedrich Freiherr Waitz von Eschen und Familienangehörige (Fa. Waitzische Erben), sowie Gertrud Böse und Dr. Wolfgang von Schutzbar. Repräsentant von 1945 bis 1965 war Dr. Friedrich Freiherr Waitz von Eschen.

 

Am Zechenplatz war der Abbau nicht mehr so einfach, es kam hauptsächlich zu Nachlesearbeiten. Also wurden Untersuchungsbohrungen weiter östlich am Grafenweinberg und am Lempersbach vorgenommen, die zu einem überraschenden Ergebnis führten.

 

Die Betriebsanlagen und -einrichtungen mussten teilweise von anderen Betrieben geliehen oder aus Restbeständen zusammengebastelt werden.

1948 erfolgte die erste Kohlengewinnung am Grafenweinberg.

 

Die Belegschaftsstärke stieg bis auf 110 Mann, nur 10 % von ihnen waren erfahrene Bergbauleute.

 

1949 war der Kohlenvorrat am Grafenweinberg erschöpft (Auskohlung) und die Förderung am Lempersbach wurde aufgenommen. 1952 wurde zentral eine neue größere Waschkaue errichtet.

 

Nach der Auskohlung des Lempersbach-Tagebaus (1954) wurde weiter östlich 1953 der Kohlenabbau am Steinertfeld (bis 1966) begonnen. Die Abraummassen dieses Feldes wurden zur Verfüllung des Tagebaus Lempersbach genutzt.

 1966 folgte dann der Abbau im Struthfeld, südlich vom Lempersbach und vom Grafenweinberg, bis 1967 der (Braun)Kohlenabbau im Lossetal eingestellt wurde.

 

Von 1947 bis 1966 wurden in o.g. Gebiet des Lossetals insgesamt rund 1,5 Millionen Tonnen Kohle gefördert.

 

Auf der Ebener, nördlich vom Grafenweinberg und östlich des Freudenthaler Abbaugebietes, entstand ein neues Abbaufeld. Zwei Wassereinbrüche im Jahr 1968 und 1969 brachten den Tiefbau schließlich zum Erliegen. Der Tagebau ging noch bis 1971 weiter. Dann musste aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Heizöl wurde preisgünstiger) auch dieses Werk stillgelegt werden und die Zeit des Braunkohlebergbaus in Kaufungen war zu Ende.

 

Relikte des Kaufunger Bergbaus sind nur sehr wenige vorhanden.

Es gibt noch das Roßganggebäude. 1975/76 wurde das Göpelhaus mit dem Schachtgebäude von ehemaligen Bergleuten restauriert. Heute ist der Roßgang ein Bergwerksmuseum ist.

 

Der heutige Steinertsee entstand durch die Absenkung der Tagesoberfläche als Folge des unterirdischen Bergbaues. Der See und seine umliegenden Freiflächen sind ein beliebtes Naherholungsgebiet.

 

Ein südlich des Steinertfeldes angelegter Wasserschutzdamm ist heute noch teilweise vorhanden.

 

 Quellen:

Röhler, Willy (2007): Beitrag zur Geschichte über die Entwicklung des Braunkohlenbergbaues um Oberkaufungen. Die Zeche Freudental. Hg. Jürgen Röhler, Köln und Johannes Schwidurski, Kaufungen

 

 Arbeitskreis Heimatbuch: Wroz, Winfried

(1985): 975 Jahre Kaufungen, 1011 – 1986. Hg. Gemeindevorstand der Gemeinde Kaufungen (Gesamtherstellung: Eiling & Roth)

Der Gemeindevorstand der Gemeinde Kaufungen (1998): Bergwerksmuseum Roßgang – Ein Ausstellungsrundgang, Hg. Gemeinde Kaufungen